Tai Chi Schule - Hanau
Das Lee Familien-System
Tai Chi Chuan - Feng Shou - Chi Shu - Dao Yin - Kai Men - Mo Xiang - Die Acht Fäden des Brokat - Herkunft - Verbreitung - Neuere Entwicklungen
Lee Tai Chi
Das Lee-Familien-System reicht von Selbstverteidigung über Kampfkunst, Gesundheitspflege, Heilmethoden, Lebenskunst bis hin zu Meditationen von spirituellem Charakter.
Aufgegliedert ist das System in die Bereiche: Tai Chi Chuan, Feng Shou Gong Fu, Chi Shu, Dao Yin, Kai Men, Mo Xiang, Die acht F äden des Brokat. Der letzte Großmeister war Chee Soo (1919-1994).
Die Wirkungen der einzelnen Übungsbereiche, im englischen als „benefit“ bezeichnet, vermehren sich durch das Zusammenspiel und die Wechselwirkung der Einzelteile. Was heute als Synergieeffekte bezeichnet werden könnte, drückte Chee Soo so aus: Die einzelnen Bereiche, zum Beispiel das Tai Chi Chuan allein, sind wie Finger einer Hand. Je mehr Finger ich benutzen kann, umso besser kann ich „begreifen“, „behandeln“ und „tun“. Und umso größer ist der Nutzen, den man davon hat. Einen Stab kann man leicht brechen, viel aber sind flexibel und stark.
Tai Chi Chuan

- Tai Chi - Die kleine Form
So nennt sich der wohl bekannteste Teil der Lee-Familien-Traditionen. Langsam sorgfältig ausgeführte Bewegungen vermitteln dem Betrachter diese Ruhe und Gelassenheit; Aber auch diese Kraft und Energie die der Bende oder Spielende zumindest während des Übens erhält. Im Schnittfeld von Selbstverteidigung, Gesundheitsvorsorge, Stressabbau, Meditation bewegt sich dieses einzigartige Übungssystem. Das Lee Tai Chi Chuan ist von Besonderen Streben geprägt Yin und Yang zu balancieren. Unsere „Kleine Form“ bewegt sich in natürlicher Schrittweise und anmutigen Bewegungen um unser Zentrum. Sie kann wegen des minimalen Platzaufwandes im Gegensatz zu anderen Stilen mit sogar in einem Wohnzimmer geübt werden.
Wir üben in drei Feldern: Formen, Partnerübungen, Drills und Freies-Tai Chi Chuan.
Feng Shou Gong Fu - Wind-Hand-Stil
Feng Shou Gong Fu oder Feng Shou Chuan bedeutet wörtlich so etwas wie Wind-Hand-Stil. Darin werden verschiedene kürzere Formen und Sets praktiziert. Es ist den Nei Jia oder inneren, weichen Systemen zu zuordnen. Es setzt in der Anwendung auf Schnelligkeit, Qi Entwicklung, Ausnutzen der Schwächen und Energie des Gegners. Im Vergleich zum Tai Chi Chuan ist das Training körperlich herausfordender, zum Beispiel durch weitere und tiefere Stellungen. Die Techniken umfassen Schläge, Stöße, Kunstgriffe, Tritte, Hebel, Fesselungen und deren Abwehr durch Hand- oder Fußtechniken und Ausweichen.
Die Waffen des Feng Shou sind Schwert, Säbel, Hellebarde, Stock (lang und überkörperlang), Speer, dreiteiliger Stock, 9 teilige Kette und Messer.
Chi Shu - Der Aufsteigende Pfad

- Chi Shu - Angriff
Chi Shu wörtlich etwa der Aufsteigende Pfad ist ähnlich dem Di Gong Quan oder dem bekannten japanischen Aikido. Es bringt als Verteidigung das Werfen und Schleudern ins Spiel. Dementsprechend wird außer den Angriffstechniken auch das Fallen und Abrollen geübt. Wieder existieren Formen, Drills und Partnerübungen als Übungsfelder. Partnerübungen sind meistens Situationen eins zu eins, aber auch zwei oder drei zu eins wird geübt. Als Waffen sind dem Chi Shu Kette, Spazierstock und Schirm zugeordnet.
Die Übergänge vom Tai Chi Chuan zum Feng Shou hin zum Chi Shu sind fließend, weil die Körper-, Bewegungs- und Geistesprinzipien aller drei gleich sind. Alles sind innere Künste und beabsichtigen, die Kraft des Angreifers auf ihn zurück fallen zu lassen. Idealerweise beendet Tai Chi Chuan eine Verteidigungsaktion gegen einen Angreifer durch ein Abprallen-Lassen, das Feng Shou beendet die Aktion durch Kampf-Unfähig-Machen vermittels Schlag, Tritt oder Fesselung, Chi Shu beendet die Maßnahme, indem sie einen weiteren Angriff durch ein Schleudern des Gegners auf den Boden, gegen die Wand, oder andere Dinge beantwortet. Die Bewegung der Abwehr ist oft identisch, den Unterschied macht die Methode der Weiterführung, das Parieren, das Kontern.
Dao Yin

- Dao Yin
„Führen und Leiten“ ist eine von zwei Qi Gong Arten, die im Lee-Stil gepflegt werden. Dao Yin beschäftigt sich in der Anfangsphase mit dem Erlernen von Atemtechniken und dem vermehrten Aufnehmen von Atem-Qi (Nei Qi). Später geht es mehr um das Führen, Leiten und Lenken von Qi im Körper. Es sind sanfte Übungen mit intensiven Atemfluß, die meistens als Einzelübung ausgeführt werden.
Kai Men
„Das offene Tor“ ist das zweite Qi Gong. Rein beschreibend hat es Chee Soo taoistisches Yoga genannt. Körperlich herausfordender als das Dao Yin, arbeitet es mehr mit Dehnen und Strecken und hat die primäre Absicht, die körperliche und energetischen Tore für das Qi zu öffnen. Hier werden in der Anfangsphase Blockaden, also Qi-Verteilungsprobleme, angegangen.
Mo Xiang
Dies ist der Überbegriff für verschiedenste Meditationsformen. Sie werden als stille, betrachtende,
lenkende Übungen ausgeführt. Es gibt sie in verschiedenen Körperhaltungen sitzend, stehend oder
liegend. Grundlegende Formen sind zum Beispiel das Zentrieren als Sammeln von Qi im unteren Dantian oder die
Meditation über den Kleinen Himmlischen Kreislauf.
Aber auch Pfahl-Übungen ähnlich den Stehenden
Säulen der Chen-Tradition gehören zum Repertoire.

- Massage - einer der
8 Fäden des Brokat
Die Acht Fäden des Brokat
Hierunter werden weitere gesundheitsfördernde, heilende und spirituelle Wege verstanden: Chang Ming- Ernährung, Massage Techniken, Kräuterkunde, Akupressur und Akupunktur, Qi Heilung, Lebenskunst.
Herkunft
Folgen wir den Aussagen von Großmeister Chee Soo (1919-1994), so lebte die Familie Lee bis 1934 in Wei
Hei Wei, einem Ort, ca. 300 km östlich von Peking gelegen. Der legendäre Begründer war Ho Hsie
Lee ca 1100 v. Chr. Der um 1930 älteste Sohn der Familie, Lee Chan Kam, handelte mit Edelsteinen und siedelte
nach London um. 1933 begann er dort eine kleine Klasse in den Traditionen der Lee Familie zu unterrichten.

- Großmeister
Chee Soo
Die Tochter Chee Soos, Lavinia Soo-Warr leistete einen Beitrag zum Aufinden der verloren gegangenen Wurzeln, in dem sie die Reise nach Wei Hei Wei antrat und Hinweise auf Verbindungen zum alten Wu Stil zu Li Yiyu (1832-1892) fand. Dieser lebte nachgewiesenermaßen eine Zeit lang in der Gegend von Wei Hei Wei und es gibt Ähnlichkeiten in manchen Teilen beider Stile. Man darf gespannt sein, was noch entdeckt wird.
Verbreitung
In Deutschland aber wohl auch weltweit ist der Lee-Taiji-Stil eher wenig verbreitet. Seine zahlreichsten Anhänger hat er mit Sicherheit in Groß-Britannien, es gibt auch Schulen in Frankreich und Australien. Nach Deutschland kam der Lee-Familien-Stil über Rolf Weber, der 1979 begann in Frankfurt zu unterrichten, etwa zeitgleich wie Norbert Meller in Gronau. In Deutschland findet man Unterricht hauptsächlich im Rhein-Main-Gebiet, rund um Bonn und Gronau. Diese Verteilung erklärt sich zum Teil aus der Geschichte und dem Wirken Chee Soos. Die relativ kleine Zahl der Übenden hat seinen Grund auch und vor allem durch den Umfang des Systems als solches. Es fordert viel Hingabe, Zeit und Geduld, um sich tiefergehend mit allem Erforderlichen auseinander zu setzen.
Die Qualität des Lernens wurde immer höher geachtet als eine weite Verbreitung und schnelles Wachstum. Das Unterrichten wird als ein Teil des individuellen Lernprozeßes angesehen und bleibt langjährigen Schülern vorbehalten. Meines Wissens nach gibt es keine offizielle ausgeschriebene Ausbildung zum Kursleiter. Das ist kein Weg der schnell zu einer weiten Verbreitung führt, aber mit Sicherheit ein guter und gründlicher.
Neuere Entwicklungen
1994 gab es mit dem Tod von Chee Soo eine Zäsur in der Entwicklung. Es entstanden mehrere Linien und Organisationen, die die Tradition der Lee-Familie weiter führen. Neben der ITS, deren Leitung Desmond Murray übernahm, gibt es die T.A.O. (Taoist Arts Organisation) unter der Leitung von Tony Swanson, daneben die TCCA (Taoist Chinese Cultural Arts), die East West Taoist Society (Howard Gibbon), und noch einige mehr. In den Links haben wir einige Websites für den interessierten Menschen dazu aufgeführt.
Der Lee-Stil präsentiert sich in Deutschland wie in Groß-Britannien und weltweit als ein Stil, der verschiedene Wege geht: von esoterisch-meditativen Ansätzen über Gesundheitspflege bis hin zur reinen Chinese Martial Art. Er macht damit die Entwicklung jedes Stils nach dem Tod eines charismatischen Großmeisters durch: die Entwicklung und Entfaltung von Schwerpunkten durch seine Schüler.
In Deutschland geht die Verbreitung des Tai Chi weiter voran. Die Vielfalt wächst. Längst kann man bei uns nicht nur Yang-Stil oder Peking Form lernen. Chen-, Wu-, Sun-Stil, Taijidao, Baguazhang, Hsing I, alle Arten und Formen von chinesischen Kampfkünsten und noch mehr Richtungen von Qi Gong Systemen werden angeboten. Für den einzelnen Anfänger ist es kaum noch nachzuvollziehen, woher manche Lehrer ihre Qualifikationen erhalten haben.
Die Qualitätssicherung, der Erfahrungsaustausch und der Wunsch zur Weiterentwicklung führten 2004 zur Gründung des Deutschen Dachverbandes Taijiquan und Qigong (DDQT). Er soll Wildwuchs in den Ausbildungen und dem Selbsternennen von Lehrern Einhalt gebieten. Erinnern wir uns: es gibt keine staatlich anerkannte Ausbildung zum Tai Chi - oder Qi Gong - Lehrer.
Seit 2004 sind Tai Chi und Qi Gong auch im Sozialgesetzbuch nach SGB V anerkannte wirksame Methoden der gesundheitlichen Primärprävention. Kurse werden darum derzeit bei den gesetzlichen Krankenkassen finanziell unterstützt. Voraussetzung ist die Anerkennung des Kursleiters oder der Kursleiterin als qualifiziert im gesetzlichen Sinne.
Das Jahr 2008 brachte mit der Olympiade in Peking und der Massendarbietung von Tai Chi bei den Eröffnungsfeierlichkeiten auch wieder die Diskussion und Strömungen in der Tai Chi Szene zum Vorschein, Tai Chi als Wettkampfsport und als olympische Disziplin zu etablieren. Seit Jahren wurde deshalb schon die sogenannte 42er Wettkampfform entwickelt, die es endlich ermöglichen sollte, stilübergreifend Wettkämpfe auszutragen. Das ist eine Entwicklung, die unserem Verständnis von Tai Chi zuwiderläuft. Realistischerweise wird es aber immer Menschen geben, die Medaillen gewinnen wollen.Und vergessen wir nicht, dass diese Entwicklung nicht nur mit Ruhm sondern auch mit den Großen Geld verknüpft ist.
All diese Entwicklungen spiegeln sich auch im Lee-Stil wieder. Sie gehen einher mit mehr oder weniger vehement vorgetragenen Alleinvertretungsansprüchen auf das einzig wahre und richtige Tai Chi. Wir persönlich sehnen und wünschen uns die Zeit herbei, wo ein fruchtbarer Austausch zwischen den einzelnen Personen und Organisationen möglich wird.
Und diese Zeit wird ohne Zweifel kommen.