Tai Chi Schule - Hanau

Grundlagen - Übersicht

Geisteswelt - Qi - Traditionelle Chinesische Medizin (TCM) - Fünf Elemente -
Bagua - I Ging

Einstieg

Vereinen der Gegensätze

Alle unsere Übungen entstammen aus einer fremden, zum Teil höchst exotischen Kultur. Das ist spannend, fruchtbar und lehrreich. Diese Kultur hält uns in manchen Bereichen einen Spiegel vor, in dem wir unsere westliche Kultur, unser Denken noch einmal in einem anderen Licht sehen können. Wir können fehlendes ergänzen, falsches korrigieren, gutes besser schätzen. Einfaches mechanisches Machen der Übungen ohne das Wissen um die Hintergründe ist auf Dauer hohl und unbefriedigend. Der Versuch nun im Üben die Haut zu wechseln und quasi zum Chinesen zu werden ist zwar verlockend aber lächerlich und zum Scheitern verurteilt. Auch das bringt uns nicht weiter.
Wir werden auf Dauer den besten Nutzen erzielen, wenn wir uns auf Basis unserer Geschichte mit Tai Chi und China von allen Seiten beschäftigen. Also Ost und West - Das Vereinen der Gegensätze.
An dieser Stelle wird die erste Stufe der Fremde sichtbar. Die Sprache und vor allem die Schriftsprache ist ganz anders auf gebaut. Die chinesische Schrift ist eine Symbolschrift, die einst aus Bildern entstanden und einem Zeichen mehrere Bedeutungen zuweisen kann. Zum Beispiel bezeichnen die zwei obersten Zeichen unseres Tai Chi Logos in einem Zimmermannshandbuch einen bestimmten Balken aber in einem philosophischen Text das Zusammenwirken von Yin/Yang. Das Schöne an dieser Zeichensprache ist das poetisch bildhafte. Das Nützliche sind die Metaphern und Bilder, die beim Studium von Fachbegriffen wie z.B. Qi entstehen. Diese können uns das Verstehen der dahinterstehenden Gedanken, das eigentlich gemeinte erleichtern.
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Die Geisteswelt

Um die Vielfalt der chinesischen Körper-, Geistes und Bewegungskünste besser zu verstehen, lohnt es sich ein paar Gedanken über die Herkunft und die verbindenden Wurzeln dieser Übungsmethoden zu machen. Alle wurzeln erst einmal in der fernöstlichen Gedankenwelt des Daoimus. Diese fremde Philosophie zu verstehen, zu begreifen und für uns in Europa nutzvoll zu machen ist eine geistige Herausforderung.
Vor mehreren tausend Jahren wurde in China entdeckt, daß das Leben durch das Zusammenwirken von zwei Polen ,Yin & Yang genannt, bestimmt wird. Tag und Nacht, hell und dunkel, feucht und trocken, männlich und weiblich bestimmen und gestalten in ewigem Wechselspiel unser Leben, unser Wachsen und Gedeihen.
Diese natürlichen, kosmischen Prinzipien durchdringen alles. Beide sind untrennbar miteinander vereint aber gleichzeitig auch in permanentem Wandel. Zusammen bilden sie das Dao, den Weg, den der Kosmos geht. Seinen persönlichen Weg finden und ihn in Einklang mit dem kosmischen Weg, dem Dao, bringen ist des oberste Ziel. Ihm gilt letztendlich alles Streben.

Yin und Yang

Yin und Yang

Da der Mensch ein Teil des Kosmos, der Natur ist, sollte er sich den Gesetzen der Natur entsprechend verhalten. Im Tai Chi tun wir das zum Beispiel, indem wir uns immer in Bewegung, im Fluß befinden. Wir nutzen dabei bewußt den Wechsel von Yin & Yang in der Bewegung. Eine Entsprechung dazu ist zum Beispiel das Anspannen und darauf folgende Entspannen aller Muskelgruppen. Wir lassen uns einfach von unserem natürlichen Bauplan, unserer Anatomie leiten. Alle Bewegungen werden leicht, sanft und mühelos, wenn wir uns natürlich bewegen und die Gelenke so benutzen wie wir damit geboren wurden. Im Laufe des Erwachsen-Werdens und durch Berufs- und Alltagsstress verlernen und vergessen wir das oft, zu oft.
Dieses Ideal in Einklang und in Harmonie mit sich und der Umwelt zu kommen durchzieht alles Tun und Schaffen. Dieses Ideal die Balance von Yin & Yang zu finden ist die eigentliche Bedeutung des Begriffs Tai Chi. Hart und Weich, kraftvoll und entspannt, aktiv und passiv zur gleichen Zeit und in steter Entwicklung.
Diese Harmonie entsteht aus der Natur selbst heraus. Der Mensch verliert sie, wenn er zu sehr einseitig agiert. Macht man eine Übung zu kraftvoll und konzentriert verliert man eben die Gelassenheit und Lockerheit. Die Chinesen empfehlen hier als Geisteshaltung das Wu Wei zu benutzen. Wörtlich etwa „Das Handel im Nicht Handeln“, „Das Tun ohne zu tun“. Das tun was spontan und natürlich getan werden muß, ohne sich groß Gedanken darüber zu manchen. Das hört sich ganz einfach an. In der Praxis stellt es sich oft als das schwerste heraus. Als Umsetzung in der chinesischen Medizin kann man als Entsprechung für das Wu Wei das Vertrauen in das Wirken der Selbstheilungskräfte ansehen.
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Qi

Qi

Chinesische Philosophie ist praktisch. All diese Gedanken führten zu einem ganzheitlichen Menschenbild in der „Traditionellen chinesischen Medizin“ (TCM abgekürzt). Der Mensch ist gesund, wenn er in Harmonie mit sich und der Umgebung lebt. Dann verfügt er über genug Energie. Diese Energie nennt man in China Qi. Sie umgibt und durchdringt mehr oder weniger konzentriert alles belebte und unbelebte. Bei den Indern wäre das Prana eine Entsprechung, bei uns der Begriff des Odems - das was allen Lebewesen eingehaucht ist. Odem deutet auch die spirituelle Dimension von Qi an.
Das chinesische Schriftzeichen leitet sich von zwei Bildern ab. Das Kreuz mit den vier kurzen Strichen links unten steht für Reis, Getreide, Nahrung. Der des Zeichens ist Dampf, Nebel. Unter der Spitze rechts unten kocht quasi ein Kessel mit Wasser. Daraus steigen die Dämpfe auf und verteilen sich. Gedanklich übersetzt ergibt sich daraus das Bild von überall vorhandener, aber nicht fassbarer Nahrung. Sie umgibt uns innen und außen. Wir wissen, daß sie da ist und können sie doch nicht direkt greifen. Ein schönes Zeichen.
Chee Soo unterschied zwischen körpereigener Energie als Qi und Li , externer, kosmischer Energie. Der Mensch hat drei Quellen von Qi: die Erb-Energie, das Nahrungs-Qi, das Atem-Qi. Die Erbenergie entspricht unsrer Konstitution die wir von unseren Vorfahren geschenkt bekamen. Nur über Nahrung und Atmung können wir unser Qi mehren. Wobei immer daran erinnert werden muß nicht nur an Materie zu denken. An einem schönen Ort vermehrt eine Qi Gong Übung über die Atmung unser Qi. Aber nicht nur über den Sauerstoffgehalt der Luft, sondern auch über die nicht greif- und messbare Schönheit und Harmonie des Ortes. Wir werden inspiriert (spirare, lat. atmen). Wir spüren den Hauch Gottes.
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Die Traditionelle Chinesischen Medizin (TCM)

Im Sinne der TCM sind wir gesund, wenn wir genug Qi haben und diese Energie frei und ungehemmt im Körper fließen kann. Dann sind wir in Harmonie. Ist das Qi gestaut, gehemmt oder blockiert oder haben wir zuwenig davon, entstehen dadurch Krankheiten. Das können körperliche oder seelische Krankheiten sein. Kleine Verstimmungen oder chronische schwere Leiden. In der TCM wird als Krankheitsursache entweder allgemeiner Qi Mangel oder Qi Disharmonie (Stagnation, Mangel, Überfluß) in bestimmten Organen oder Organfunktionen angesehen.

Lage des Herz-Meridians

In der jahrhundertelangen Entwicklung der TCM wurden nach Ansicht unserer westlichen Schulmedizin zum Teil exotische Diagnose- und Behandlungsmethoden entwickelt. Die spektakuläresten sind die Akupunktur oder das Moxa (Wärmebehandlung durch Verbrennen von Beifuß dicht an der Haut). Es gibt auch gleiche Methoden: Die Diagnose durch Befragen, Betasten. Das Behandeln durch Ernährungsumstellung. Was beide trennt ist das Theoriesystem.
Die Chinesen entdeckten durch Beobachtung das Meridiansystem und wie sich Qi im Körper verteilt und die Organe dabei versorgt werden. Wobei den Organenfunktionen gemeint sind. Ein Beispiel: Der Magen ist der Erde zugeordnet und sorgt ganz platt für Nahrungsaufnahme. Aber jeder Körperteil, jede einzelne Zelle benötigt Nahrung. Im Organ Magen ist diese Funktion ganz deutlich und repräsentiert sie daher, aber die Funktion selbst ist im Körper überall zu finden. Und diese Nahrung kann auch geistige Nahrung sein. Es gibt interessanterweise auch einen Meridian der nicht als körperliches Organ auffindbart: Der dreifache Erwärmer. Hier wird klar: Es geht um die Wirkung nicht nur um die Materie. So fragt die TCM bei Krankheiten oft mehr nach dem Zusammenspiel der Meridiane/Organe, des Körpers als nach dem Symptom, dem Einzelteil: Magen.
Ein wichtiges weiteres System, das in diesem Zusammenhang ins Spiel kommt sind die 5 Elemente oder besser Wandlungsphasen. Die zwölf Hauptmeridiane sind paarweise zusammen gefasst und diesen Wandlungen zugeordnet. Um bei unseren Beispiel zu bleiben: Erde -> Magen Yang Durchflussorgan + Milz/Pankreas Yin Speicherorgan.
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Die Fünf Elemente - Die Fünf Wandlungen Wu Xing
Wu Xing - Fünf Elemente

Wu Xing - Fünf Elemente

Die Fünf Wandlungen sind eine genauere Darstellung wie Yin/Yang sich in einem Zyklus abwechseln und beeinflussen. Nimmt man als Zyklus ein Jahr wird die Entsprechung Holz genannt. Dem darauf folgenden Sommer ist das Feuer, dem Altweibersommer, der Erntezeit die Erde, dem Herbst das Metall, dem Winter das Wasser zugeordnet. Zu jedem Element gibt es dann zum Beispiel dazugehörige Organe, günstige Nahrungsmittel, Tageszeiten aber auch Gefühle, Stimmungen und sonstige gute und schlechte Einflüsse.
Als nächstes kann man in der TCM betrachten wie sich die Wandlungen gegenseitig beeinflußen und erhält auch damit Möglichkeiten zur Diagnose und zur heilenden Behandlung: Fehlt es an Feuer, benötigt das Feuer mehr Holz oder löscht zuviel Wasser das Feuer. Für uns ist es sehr nützlich sich mit den Wu Xing zu beschäftigen.
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Bagua

Bagua

Bagua, Die acht Trigramme sind eine weitere Interpretation wie das Dao. Hier werden jeweils drei Striche ganz oder durchbrochen benutzt, um eine Gewichtung von Yin und Yang zu symbolisieren. Die acht Trigrammeb bilden die Grundlage für das I Ging und sie werden in den chinesischen Kampfkünsten (Wu Shu) im Baguazhang oder dem Shi San Shi benutzt.
Yin wird durch eine schwache Linie dargestellt
Yang ist der Starke Strich
Daraus ergeben sich acht Kombinationen und Mischungsverhältnisse von Yin/Yang:


I Ging - Das Buch der Wandlungen

I Ging

Obwohl es eines der ältesten Bücher der Menschheit ist wurde es erst um 1900 herum in Europa übersetzt und bekannt.
In 64 Zeichen jeweils gedoppelte Trigramme beschreibt es noch genauer das Wirken des Dao in der Welt. Es wurde als Orakel oder als Weisheitsbuch benutzt.

Hermann Hesse las es. Bob Dylan las es. C.G. Jung las es und erkannte viele ewige Menschheitsmuster in ihm, verknüpfte es mit westlicher Psychologie. Man kann es nicht lesen wie ein Buch. Man kann nachschlagen und meditieren.
Wenn man sich für China interessiert kommt man nicht dran vorbei.
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